Arbeitslosengeld für Selbstständige
Lohnt sich eine Arbeitslosenversicherung für mich?

Freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige – Vorteile und Nachteile

Wenn Sie sich selbstständig machen, haben Sie die Möglichkeit, freiwillig in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung einzuzahlen und sich so gegen finanzielle Risiken abzusichern. Die Versicherung springt dann ein, wenn Sie sich bei der Arbeitsagentur wieder als „erwerbslos“ melden. 

Während Ihres Angestelltenverhältnisses haben Sie bereits über die monatliche Gehaltsabrechnung automatisch in die Kasse der Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Zum Start der Selbstständigkeit ist abzuwägen, ob der nun freiwillige Abschluss der Versicherung für Sie den gewünschten Effekt absichert. 

Soziale Risiken mit der freiwilligen Arbeitslosenversicherung abfedern

Wenn Sie in die freiwillige Arbeitslosenversicherung einzahlen, können Sie wieder Arbeitslosengeld beziehen, egal aus welchem Grund Sie die Selbstständigkeit beenden. Sinnvoll ist der Abschluss der Arbeitslosenversicherung beispielsweise dann, wenn sich ein neues Produkt erst in der Testphase befindet oder wenn man überhaupt nicht einschätzen kann, wie das eigene Angebot ankommt oder Sie unsicher sind, ob Selbstständigkeit etwas für Sie ist. Erfahrungsgemäß zeigt sich etwa nach drei Jahren, ob das eigene Business langfristig tragfähig ist. Bevor man die freiwillige Arbeitslosenversicherung abschließt, ist es empfehlenswert zu prüfen, ob die Kosten der freiwilligen Arbeitslosenversicherung den Nutzen rechtfertigen. Sprich: Wie hoch ist das Risiko und wie viel Geld kommt am Ende überhaupt dabei raus, wenn der Fall der Fälle eintritt? Denn das Arbeitslosengeld, was Sie sich mit dem Abschluss der Versicherung sichern, ist nicht die Höhe, die Sie bereits aus dem Arbeitslosengeldbezug kennen denn diese soziale Absicherung wird nach ganz anderen Parametern berechnet, als nach dem letzten Gehalt.

Wie wird der Antrag auf Arbeitslosenversicherung für Selbstständige gestellt?

Ganz wichtig: Die Antragstellung muss innerhalb der ersten drei Monate der Selbstständigkeit bei der zuständigen Arbeitsagentur gestellt werden. Eine spätere Antragstellung, z.B. wenn Sie feststellen es läuft nicht so wie Sie es sich gedacht hatten, ist nicht mehr möglich. Als Nachweis ist eine Gewerbeanmeldung oder eine Bescheinigung des Steuerberaters vorzulegen, aus der die hauptberufliche Selbstständigkeit ersichtlich ist. Wenn der Antrag gestellt wurde und alle anderen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind, beginnt der Versicherungsschutz mit dem Tag, an dem die Voraussetzungen für das Versicherungsverhältnis erfüllt sind. Häufig erfolgt der Abschluss in einem Atemzug mit der Beantragung des Gründungszuschuss. Die freiwillige Arbeitslosenversicherung kann aber auch unabhängig davon abgeschlossen werden.

Wie viel Geld wird im Versicherungsfall wie lange von der Arbeitsagentur ausgezahlt?

Das Arbeitslosengeld aus der freiwilligen Arbeitsversicherung richtet sich vorrangig nach Qualifikation und Region (Ost- oder Westdeutschland). Die Dauer der Zahlung aus dieser Arbeitslosenversicherung ist abhängig vom Umfang der Versicherungszeiten der letzten fünf Jahre vor Eintritt der Arbeitslosigkeit und vom Lebensalter. 

Die Höhe des Anspruchs auf Arbeitslosengeld richtet sich nicht nach der Höhe des im Normallfall gewährten Arbeitslosengeldes, sondern nach einem fiktiv zu Grunde gelegten Arbeitsentgelt. Diese Bezugsgröße ist ganz individuell und z. B. abhängig von der Qualifikation des Antragstellers (zwischen 400 und 1400 €) sowie von der Art der Beschäftigung, auf die die Arbeitsagentur dann Vermittlungsbemühungen richtet.
Versicherungszeiten, die in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Arbeitslosigkeit liegen sowie vom Lebensalter. 
Die Arbeitslosigkeit ist in diesem Falle, genauso wie bei anderen Arbeitslosen auch, so schnell wie möglich zu beenden. Ehemals Selbstständige müssen sich eigenständig nachweislich um eine abhängige Beschäftigung bemühen, sonst erlischt der Anspruch. 
Neben dem Arbeitslosengeld können bis zu 165 € monatlich abzugsfrei hinzuverdient werden. Alle Einnahmen darüber hinaus werden vom Arbeitslosengeld abgezogen.

Voraussetzung für die Antragsgenehmigung

Um das „Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag“, so der fachliche Name der Versicherung der Bundesagentur für Arbeit, zu nutzen, müssen Existenzgründer eine der zwei folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Unmittelbar vor Aufnahme der selbständigen Tätigkeit hat der Antragsteller eine Entgeltersatzleistung des Sozialgesetzbuchs III (z. B. Arbeitslosengeld) bezogen. Wie lange die Leistung in Anspruch genommen wurde, ist dabei nicht relevant.
  • Der Antragsteller stand vor der Gründung innerhalb der letzten 30 Monate mindestens 12 Monate davon in einem Versicherungspflichtverhältnis (z. B. als Arbeitnehmer oder versicherungspflichtige Erziehungszeit). Dabei ist unerheblich, ob die 12 Monate am Stück waren oder ob einzelne Versicherungszeiten addiert werden.
  • Aufgenommen werden außerdem nur diejenigen, die ihre selbstständige Tätigkeit hauptberuflich, das bedeutet für mindestens 15 Stunden pro Woche, ausüben.

Ausgenommen von der freiwilligen ALV sind: 

  • wer bereits zweimal als Selbstständiger Arbeitslosengeld bezogen hat und danach nicht wieder für mindestens zwölf Monate in die Versicherung eingezahlt hat,
  • wer sich direkt nach dem Studium/der Schule selbstständig macht, ohne vorher ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis eingegangen ist,
  • schon länger Selbstständige,
  • Personen, die vor der Gründung Arbeitslosengeld II bezogen haben,
  • wer eine bereits bestehende Versicherung über eine andere Pflichtversicherung bezieht wie z. B. bei Kindererziehungszeiten oder der Wehrpflicht,
  • Personen, die grundsätzlich versicherungsfrei sind, z. B. Beamte, Richter, Soldaten.

Was kostet die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige?

Der monatliche Beitrag für Selbstständige bemisst sich nach einer sog. Bezugsgröße. Die Bezugsgröße wird auf der Grundlage des Durchschnittsentgelts in der gesetzlichen Rentenversicherung festgelegt und wird in der Regel jährlich neu festgelegt. Für das Jahr 2024 liegt der monatliche Beitrag für die freiwillige Arbeitslosenversicherung bei 91,91 € (West) bzw. 90,09 € (Ost). 

Sonderregelung für Gründerinnen und Gründer

Für Existenzgründer gilt eine Sonderregelung. Ab dem Zeitpunkt der Gründung plus das folgende Kalenderjahr – also in den ersten beiden Geschäftsjahren – zahlen frisch gebackene Unternehmer monatlich nur die Hälfte des Beitrages, Die Beiträge müssen an die Bundesagentur für Arbeit abgeführt werden und können steuerlich als Ausgabe geltend gemacht werden.

Beendigung der freiwilligen Arbeitslosenversicherung

Seit Anfang 2011 kann die freiwillige Arbeitslosenversicherung erst nach fünf Jahren mit einer dreimonatigen Frist gekündigt werden. Das Versicherungsverhältnis wird von der Arbeitsagentur vorzeitig beendet, sobald die Versicherungsbeiträge nicht mehr bezahlt werden. Dieser Schritt ist jedoch gründlich zu bedenken, da mit der Nicht-Zahlung ggf. viele unangenehme Folgen verbunden sind, die Zeit und Nerven kosten.
Überlegen Sie also vorher genau, ob diese Investition sich für Sie im Falle eines Falles überhaupt lohnt, oder Sie im Falle der Beendigung der Selbstständigkeit eine Möglichkeit sehen, Einkommen z.B. wieder im Angestellten Verhältnis zu generieren.

Arbeitslosenversicherung für Selbstständige: sinnvoll oder nicht?

Im ersten Monate hört sich eine Absicherung gegen einen finanziellen Totalausfall für Existenzgründer sehr verlocken an und die Entscheidung dafür oder dagegen scheint leicht. Doch auch wenn die Höhe der monatlichen Beiträge gerade für Gründer niedrig sind, müssen sie dennoch regelmäßig aufgebracht werden. Ein Großteil derer, die die freiwillige Arbeitslosenversicherung wieder kündigt, tut dies aus finanziellen Gründen. Weitere Details können Sie dem aktuellen Merkblatt der Agentur für Arbeit entnehmen.

1a-STARTUP Tipp aus der Praxis:

Lassen Sie sich in jedem Fall professionell unterstützen bei der Entscheidung, ob ein Abschluß der Versicherung für Sie passend ist. Und zwar nicht nur von der Arbeitsagentur, sondern auch von einem neutralen Gründercoach bzw. Existenzgründungsberater. Gemeinsam können Sie objektiv abwägen, was speziell in Ihrer individuellen Situation für oder gegen den Antrag spricht. Die richtige Entscheidung hat in großen Einfluss auf Ihr finanzielles Risiko als Selbstständiger, daher sollte Sie erst nach reiflicher Überlegung getroffen werden. Aber: Auch nicht zu lange warten, sonst verstreicht die 3-monatige Anmeldefrist.

Übrigens: Die Kosten für eine Existenzgründungsberatung bei 1a-STARTUP sowie weitere Beratungsleistungen können mit einem AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein) komplett von der Agentur für Arbeit gefördert werden. Für eine kompetente Beratung zahlen Sie mit dem AVGS also keinen Cent! Mehr Informationen dazu finden Sie hier: AVGS-Aktivierungsgutschein

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