Firmengrundsätze

Macht Ihr Unternehmen stark: die richtige Unternehmensphilosophie

Was ist eine Firmenphilosophie und wozu brauche ich sie? Wie hängen Unternehmensphilosophie und Umsatz zusammen? Wie entwickle ich die passende Philosophie für mein Unternehmen und wie setze ich die festgelegte Strategie im Alltag um? Einen zusammengefassten Überblick über die Vorteile eines Leitbildes sowie erste Anregungen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, erhalten Sie in den folgenden Abschnitten.

Firmenphilosophie, Vision, Leitbild, Unternehmenskultur – was muss ich dazu wissen?

Es gibt in der Fachliteratur und im Internet unzählige Definitionen zu diesem Thema. Begriffe wie Philosophie, Leitbild, Unternehmenskultur oder Vision werden in vielen Quellen synonym verwendet, an anderer Stelle findet man seitenweise Abgrenzung zwischen den unterschiedlichen Begrifflichkeiten. So sehen einige Experten eine Philosophie eher als eine Beschreibung des IST-Zustandes an, während das Leitbild mehr auf die Zukunft ausgerichtet ist. Dieser Artikel soll nur einen ersten Eindruck von der Thematik vermitteln, daher werden die o. g. Begriffe an dieser Stelle der Einfachheit halber synonym verwendet, ohne zu sehr ins Details zu gehen. 

Was beinhaltet eine Unternehmensphilosophie?

Wenn Sie ein Unternehmen gründen, bringen Sie viele anerzogene, angeborene und erlernte Wertvorstellungen mit. D. h., dass Ihnen im Laufe Ihres Lebens Werte wichtig geworden sind, die Sie in Ihr Unternehmerdasein aufnehmen möchten. Diese ethischen Grundsätze bilden eine Art Richtung oder einen Plan, der sich wie ein roter Faden durch Ihre Firma zieht. Das kann beispielsweise ein ökologisches Ideal sein. Ihnen ist vielleicht sehr wichtig, mit nachhaltigen Rohstoffen zu arbeiten, kein Material zu verschwenden und schonend mit der Umwelt umzugehen. Nicht nur in den Produktionsprozessen schlägt sich Ihre Haltung nieder, auch Ihre Mitarbeiter sollen sich entsprechend verhalten. Sie arbeiten auch nur mit externen Dienstleistern zusammen, die Ihre Werte in dieser Beziehung teilen. Damit hätten Sie bereits einen wichtigen Punkt für eine Firmenphilosophie. Weitere Beispiele wären die Themen Innovation, Schaffung von Arbeitsplätzen, flache Hierarchien, Transparenz oder soziales Engagement.

Eine Philosophie sollte grundsätzlich schriftlich festgehalten werden und besteht meistens aus drei Teilen:
1. Ein Teil beschreibt die Beziehung Ihres Unternehmens zur Gesellschaft/Politik.
2. Ein weiterer Part definiert die interne Unternehmenskultur.
3. Der dritte Teil sagt etwas über den Führungsstil innerhalb Ihrer Firma aus.
Punkt 1 ist relativ einfach erklärt. Oft findet man hier Sätze wie „Wir legen Wert auf Nachhaltigkeit unserer Produkte sowie die Vermeidung von Abfällen und Reduktion von Emissionen. Damit möchten wir auch zum Erholungswert unserer Region beitragen.“ Oder auch „In naher Zukunft planen wir die Schaffung von über 50 Arbeitsplätzen und 3 Ausbildungsstellen.“ Zur Unternehmenskultur in Punkt 2 gehören beispielsweise die Arbeitskleidung Ihrer Angestellten oder Verhaltensregeln (intern/nach außen). Punkt 3 definiert die Art, wie Sie Ihr Unternehmen führen möchten. Hier könnten Aussagen wie „Wir erkennen das Potential unserer Mitarbeiter und fordern aktiv zum Mitdenken auf. Flache Hierarchien ermöglichen einen schnellen Ideenaustausch, auch über Abteilungsgrenzen hinweg.“ 

Vorteile einer Unternehmensphilosophie

Die Firmenphilosophie wird schriftlich festgehalten und sollte jedem Mitarbeiter und Kunden zugänglich sein. Ihren Mitarbeitern dient dieser Leitfaden als Unterstützung und Richtlinie, das verhindert Konflikte und Unsicherheiten. Gerade für neue Mitarbeiter ist Ihre Firmenphilosophie ein guter Anhaltspunkt, zudem erzeugt ein gemeinsam gelebtes Leitbild ein Wir-Gefühl, das wiederum für ein positives Betriebsklima sorgt. Wenn jeder den Weg und das Ziel kennt, kann sich quasi keiner verlaufen und keiner muss den Weg alleine beschreiten. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel ist ein angenehmes Arbeitsklima ein wichtiger Faktor, der gute Mitarbeiter an Ihr Unternehmen bindet. Nicht zu vergessen, dass auch Mitarbeiter zu Kunden werden können oder zu Empfehlern innerhalb der Familie und dem Freundeskreis.
Eine Firmenphilosophie kann nur dann wirken, wenn sich alle daran halten, bis zur Chefetage. Gerade Führungskräfte sollten mit guten Beispiel vorangehen und die Vision für alle sichtbar vorleben – intern und nach außen hin. Besonders gegenüber Kunden, aber auch gegenüber Lieferanten und externen Dienstleistern verstärkt jeder einzelne auf diese Weise die Corporate Identity, das Image Ihres Unternehmens und beeinflusst so auch die Höhe Ihres Umsatzes. Je positiver das Bild ist, das Ihre Zielgruppe von Ihnen hat, desto eher werden Kunden zu Stammkunden und Weiterempfehlern. Und das bedeutet nichts anderes als: Umsatz. 

Ihre Firmenphilosophie muss zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passen

Kennen Sie das Gefühl, dass mit einem Unternehmen „irgendwas nicht stimmt“? Wenn das Bild, die Philosophie, eines Unternehmens nicht zum Verhalten oder Produkt passt? Überspitzes Beispiel: Ein Unternehmen, das nachweislich Abwässer in einen Fluss leitet, stellt das Thema Umweltschutz ins Zentrum seiner Unternehmensphilosophie. Oder ein Hersteller von stark zuckerhaltigen Getränken, dem laut Firmenleitbild besonders die Gesundheit seiner Kunden am Herzen liegt. Kunden merken sofort, wenn etwas nicht stimmig ist und das hält vom Kauf ab. Gerade dann, wenn es die Konkurrenz deutlich besser macht. Eine Firmenphilosophie kann umgekehrt aber auch helfen, sich positiv von Mitbewerbern abzugrenzen und so die Zielgruppe für sich zu gewinnen. Indem man es eben besser macht und dem Kunden ein ehrliches, angenehmes Grundgefühl vermittelt. 

So etablieren Sie die passende Unternehmensphilosophie

Von großer Bedeutung ist Authentizität, d. h. dass Sie eine Philosophie entwickeln, die zu Ihrer Unternehmerpersönlichkeit und zu Ihrer Firma passt. Darüber hinaus sollte sie klar formuliert und somit für alle verständlich sein und natürlich eine positive Botschaft vermitteln. Klingt erst einmal simpel, schließlich kennen Sie Ihre Werte ja. Oder? Einige Dinge fallen Ihnen in der Regel spontan ein, z. B. dass Ihnen ein faires Miteinander am Herzen liegt. Dass Sie überwiegend mit regional ansässigen Betrieben zusammenarbeiten möchten, um die Region zu stärken. Vielleicht möchten Sie in Zukunft viele Arbeitsplätze schaffen, jungen Menschen mit einer fundierten Ausbildung eine Perspektive bieten oder Sie träumen davon, in naher Zukunft völlig auf Plastik zu verzichten und bei der Produktion noch mehr auf Nachhaltigkeit zu setzen.
Andere Werte und Ziele kommen erst nach einiger Zeit des Nachdenkens oder entwickeln sich in Gesprächen mit Kollegen, Freunden, Familie oder einem Existenzgründungsberater. Überlegen Sie genau, was Sie auch in Zukunft antreiben wird, wofür Sie stehen möchten. Lassen Sie jeden Gedanken zu, notieren Sie ihn und betrachten Sie Ihre Notizen immer mal wieder. Schritt für Schritt wird sich ein Gesamtbild ergeben, das letztendlich zu einer ausformulierten Firmenphilosophie wird. Die muss übrigens nicht viele Seiten lang sein, im Gegenteil. Qualität statt Qualität, schließlich nehmen sich Kunden normalerweise nicht viel Zeit, um Ihre Firmenphilosophie zu studieren. Kommen Sie schnell zu den wichtigen Punkten und verzichten Sie auf Füllwörter und schwammige Formulierungen. Sagen Sie nur, was Sie auch wirklich meinen.
Wenn Sie auf Ihrer Website keinen eigenen Menüpunkt für Ihre Unternehmensphilosophie erstellen möchten, z. B. weil Sie damit noch nicht ganz fertig sind oder erst einmal eine grobe Richtung angeben möchten, können Sie einige Werte, Ihre Unternehmensethik und Ziele auch auf der Startseite in den Einleitungstext einbauen. So haben Kunden schon einmal einen ersten Eindruck von Ihrem Leitbild und Sie können das Ganze nach und nach komplettieren. Neben Ihrer Website sind auch Flyer, Kataloge, (Stellen-)anzeigen, Tage der offenen Tür etc. gute Möglichkeiten, die Öffentlichkeit auf Ihre Visionen und Wertvorstellungen aufmerksam zu machen.
Tipp: Schauen Sie sich als Anregung auf jeden Fall auch die Firmenphilosophien anderer Unternehmen an, vor allem die Ihrer Mitbewerber. Was gefällt Ihnen, was spricht Sie weniger an und warum? Auch wenn Ihre Unternehmensvision in der Summe einzigartig sein sollte, wird das Rad nicht immer neu erfunden. Notieren Sie sich Anregungen für eigene Gedanken zu dem Thema und tasten Sie sich Schritt für Schritt an Ihr eigenes Leitbild heran. Im günstigsten Fall recherchieren Sie bereits in der Gründungsphase Ihrer Selbstständigkeit zu diesem Thema und nehmen zumindest einige Punkte Ihrer Leitlinie direkt in Ihren Businessplan auf. 

Klarheit und Konsequenz sind die Schlüssel bei der Umsetzung

Alle Richtlinien und Ziele sollten für das ganze Team immer zugänglich, leicht verständlich und im Arbeitsalltag einfach realisierbar sein. Die praktische Umsetzung ist ein langer Prozess und funktioniert nicht von heute auf morgen. Man sollte aber immer versuchen, zumindest mit Kleinigkeiten zu beginnen, denn hier macht Wiederholung den Meister. Je normaler die Grundsätze in die täglichen Abläufe integriert werden, desto höher ist ihre Wirkung. Und desto leichter fällt es allen, sich daran zu halten. Sorgen Sie für Klarheit und holen Sie sich Feedback von Ihren Mitarbeitern, ob alles deutlich ist und ob es ggf. Unsicherheiten beim Wie oder Warum gibt. Nur weil Ihnen alle Punkte klar sind, muss das nicht auch für alle anderen gelten. Versuchen Sie, Ihr Team von Ihren Ideen zu überzeugen und sie dafür ehrlich zu begeistern – nur wenn Ihre Mitarbeiter hinter Ihrer Philosophie stehen, werden sie sie auch tatsächlich umsetzen. Führen Sie regelmäßig Gespräche mit Abteilungsleitern und machen Sie sie zu Botschaftern innerhalb ihrer Bereiche. Nur wenn alle Ebenen an einem Strang ziehen, wird sich eine Firmenphilosophie dauerhaft durchsetzen und zu Ihrem Erfolg beitragen.
Fazit: Darum lohnt es sich, Zeit in eine Unternehmensphilosophie zu investieren
Auch wenn dieses Thema nicht unbedingt als erster Punkt auf Ihrer Gründungs-to-do-Liste steht, verdient es Ihre frühzeitige Aufmerksamkeit. Je eher Sie mit der Implementierung Ihrer Philosophie beginnen, desto leichter fällt allen Beteiligten die Umsetzung. Wenn man direkt richtig loslegt, spart man sich später Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Sobald Sie also ein wenig Zeit haben, sollten Sie sich mit der Entwicklung Ihrer ethischen Firmenvision beschäftigen. Ihre Mitarbeiter und Sie haben damit einen Leitfaden, an dem sich alle orientieren können. Gerade zu Beginn hilft so etwas enorm, Spannungen und Unsicherheiten zu vermeiden.
Wenn Ihre Firmenwerte und Ziele nach innen und außen konsequent gelebt werden, wird sich dieses positive Bild nach und nach bei Ihren Kunden festigen und zu Ihrem Image beitragen. Auf diese Weise binden Sie Ihre Kunden emotional an Ihr Unternehmen und profitieren somit langfristig von treuen Abnehmern. Darüber hinaus empfiehlt man Sie gerne weiter, wenn das Gesamtbild stimmt und das wiederum erzeugt steigende Umsätze. Es lohnt sich in vielerlei Hinsicht, sich mit diesem spannenden Thema zu beschäftigen und die richtige Unternehmensphilosophie zu entwickeln und umzusetzen.

Ein Beispiel aus der Praxis: die Grundsätze von 1a-STARTUP

Eine kurze, knackige Unternehmensphilosophie finden Sie auf der Website der Existenzgründungs- und Unternehmensberatung 1a-STARTUP aus Düsseldorf (https://www.1a-startup.de/grundsaetze). Gründerin und Inhaberin Dagmar Schulz hat ihre ganz persönlichen Werte wie Unabhängigkeit, Leidenschaft und Vertraulichkeit in die Leitmotive ihres Unternehmens eingebunden und lebt diese im Umgang mit ihren Kunden und ihrem Netzwerk konsequent vor. An diesem Beispiel sieht man, dass die Wahl der richtigen Worte wichtiger ist als der Umfang. Der Leser erfährt sofort, was er wissen möchte und bekommt einen perfekten ersten „persönlichen“ Eindruck vom Unternehmen und seiner Inhaberin.