Auch ohne Gründungszuschuss sicher in die Selbstständigkeit starten

Viele Gründer geben dem Traum vom eigenen Business vorschnell auf, weil sie keine Zusage für den Gründungszuschuss erhalten oder gar keine Möglichkeit haben, diesen zu beantragen. Natürlich ist der Start in eine berufliche Selbstständigkeit scheinbar einfacher, wenn man mit einer gewissen Summe im Monat rechnen kann. Das gibt etwas mehr Sicherheit, also komplett ohne finanzielle Unterstützung zu beginnen. Dennoch ist es auch ohne Gründungszuschuss sehr wohl möglich, sich erfolgreich selbstständig zu machen – und zwar zunächst mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit und weiter im Angestellten-Verhältnis bleiben oder aber weiterhin im Arbeitslosengeld Bezug bleiben.

Von
Dagmar Schulz
11. März 2026
Minuten
Nebenberuflich selbstständig – auch ohne Gründungszuschuss ein gangbarer Weg.

Inhaltsübersicht

Kein Gründungszuschuss – und trotzdem erfolgreich selbstständig. Das funktioniert. Und zwar öfter, als viele denken.

Wer keine Zusage der Arbeitsagentur erhält oder gar keinen Anspruch auf den Gründungszuschuss hat, muss den Gedanken an die eigene Selbstständigkeit nicht begraben. Der Einstieg über eine nebenberufliche Gründung ist eine solide, erprobte Alternative – mit eigenem Einkommen im Rücken und ohne den Druck, vom ersten Tag an alles über das neue Unternehmen finanzieren zu müssen.

Vorteile einer Nebenerwerbsgründung:

Eine Variante der Selbstständigkeit ist eine Gründung im sog. Nebenerwerb. Sie bleiben weiterhin in einem Angestelltenverhältnis und machen sich nebenberuflich selbstständig. Das gibt Ihnen auch ohne Gründungszuschuss die Sicherheit, über ein festes monatliches Einkommen zu verfügen. Dieser „sanfte“ Einstieg in die Selbstständigkeit bringt einige handfeste Vorteile mit sich:

  • Geringeres finanzielles Risiko, weil Sie nicht komplett von Ihrem Unternehmen leben müssen. Dadurch stehen Sie nicht so unter Erfolgsstress.
  • Ohne finanziellen und zeitlichen Druck können Sie sich Zeit nehmen, die richtige Zielgruppe zu finden und erste Kunden zu gewinnen. So schaffen Sie frühzeitig Referenzen, die Ihnen beim Aufbau neuer Kundenkreise helfen.
  • Sie können in der Praxis testen, ob Sie wirklich zum Unternehmertum taugen und ob Sie über die nötige Disziplin und Motivation verfügen. Die Flexibilität als Selbstständige setzt viel Selbstorganisation voraus – das lässt sich jetzt bereits trainieren.
  • Gerade in der ersten Testphase Ihrer Geschäftsidee ist der Finanzbedarf häufig überschaubar. Zugleich können Sie prüfen, ob Ihre Idee als hauptberufliche Unternehmung tragfähig ist.
  • Viele Nebenerwerbsgründer können aus einem Teil ihrer Einnahmen ein finanzielles Polster aufbauen, das später im Haupterwerb Sicherheit gibt. Auch können so Anschaffungen getätigt werden, um die Selbstständigkeit gezielt weiterzuentwickeln.
  • Zeitlich werden Sie durch eine Nebenerwerbsgründung weniger beansprucht als bei einer hauptberuflichen Gründung. Die Doppelbelastung sollte jedoch nicht unterschätzt werden – eine gute Planung und Organisation sind dabei unverzichtbar.
  • Durch praktische Erfahrung können Sie ohne Druck prüfen, welche Stärken Sie bereits mitbringen und wo noch Optimierungsbedarf besteht. Weiterbildungen – etwa in den Bereichen Finanzen oder Marketing – lassen sich zu diesem Zeitpunkt gut integrieren und bereiten die hauptberufliche Selbstständigkeit ideal vor.
  • Ein Scheitern im Nebenerwerb ist in der Regel weniger einschneidend als beim direkten Vollstart. Da Sie weiterhin ein Einkommen aus dem Angestelltenverhältnis haben, fällt der Rückschlag deutlich weicher aus.

Nachteile der Nebenberuflichen Gründung:

  • Da Sie hauptsächlich in Ihrem Angestelltenjob eingebunden sind, fehlt Ihnen unter Umständen die Zeit und Flexibilität, sich mit voller Konzentration auf die Selbstständigkeit zu fokussieren.
  • Nicht immer ist es einfach, die nötige Disziplin aufzubringen, wenn man gedanklich oder zeitlich stark im Hauptjob eingespannt ist.
  • Weil das Haupteinkommen den finanziellen Druck nimmt, fehlt manchen Gründerinnen und Gründern das nötige Maß an Anstrengungsbereitschaft. Etwas Druck kann dabei helfen, alles für den Erfolg zu geben und den Schritt in die Selbstständigkeit ernstzunehmen.
  • Im Falle von Arbeitslosigkeit ist der anrechnungsfreie Hinzuverdienst begrenzt – das kann Motivation und Freude an der Selbstständigkeit bremsen.
  • Kunden könnten an Ihrer Ernsthaftigkeit zweifeln, wenn Sie Ihr Unternehmen „nur“ im Nebenerwerb betreiben. Das muss nicht passieren, kann aber ein Thema werden – und sollte bei der Außendarstellung bedacht werden.
  • Unterschätzen Sie nicht die mögliche Doppelbelastung: Feierabend- und Wochenendarbeit sind keine Ausnahme, sondern oft die Regel. Manchmal fällt zumindest zu Beginn auch der Urlaub kürzer aus. Und auf Marktveränderungen können Sie nicht immer sofort reagieren.
  • Nebenberuflich gründen bedeutet auch viel Geduld, denn es dauert durch die begrenzte Zeit häufig länger, bis sich der Erfolg einstellt und eine realistische Aussage getroffen werden kann, ob das Business für eine eigene Existenz geeignet ist. Mit vollem zeitlichen Einsatz kann das Business ganz anders aufgestellt werden.

Trotz möglicher Nachteile: Auch der langsame Aufbau eines Unternehmens ist besser, als sich gar nicht zu trauen. Manche erfolgreiche Unternehmen sind nicht in Vollzeit entstanden, sondern im Nebenerwerb gewachsen. Oft macht die neue Freiheit und das eigene Angebot so viel Freude, dass der Wunsch nach einer hauptberuflichen Selbstständigkeit von ganz allein größer wird. Dann gilt: prüfen, ob das Unternehmen als Haupteinnahmequelle tragfähig ist – und den nächsten Schritt gehen.

Wichtig: Informieren Sie Ihren Arbeitgeber in jedem Fall über das geplante Nebengewerbe, sofern dies nicht ohnehin im Arbeitsvertrag geregelt ist. Das Nebengewerbe darf keine Konkurrenzsituation zum Arbeitgeber schaffen oder sonstige Interessenskonflikte auslösen. Beides führt in der Praxis nicht selten zu Auseinandersetzungen, die vor Gericht enden.

Arbeitslos gemeldet – und nebenbei Geld verdienen

Die nebenberufliche Tätigkeit darf 15 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Darüber hinaus gilt eine monatliche Einkommensgrenze von derzeit 165 €, unterhalb derer keine Anrechnung auf das Arbeitslosengeld erfolgt (Stand 2026). Da sich Regelungen ändern können, empfiehlt sich eine individuelle Rücksprache mit Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit vor der Aufnahme der Tätigkeit.
Die Summe kann z.B. auch anders sein, wenn Sie nachweisen, dass Sie vorher schon ein gewisses nebenberufliches Einkommen erzielt haben, dass etwas höher lag aber dennoch nicht genug ist, um vollständig den Lebensunterhalt davon bestreiten zu können.

Achtung: Eine nebenberufliche Selbstständigkeit während des Arbeitslosengeldbezugs kann unter Umständen die spätere Beantragung des Gründungszuschusses erschweren.Mehr Hintergrund Wissen aus meiner Gründungsberatung seit 2009 zum Gründungszuschuss gibt es hier auf einen KLICK.

Tipps für die Existenzgründung im Nebenerwerb:

Beachten Sie bei Ihrer Planung frühzeitig folgende Punkte:

  • Die Geschäftsidee sollte mit geringen laufenden Kosten – etwa für Miete oder Arbeitsmittel – umsetzbar sein.
  • Achten Sie, auch wenn es zunächst nur ein Test ist, auf eine solide und realistische Kalkulation Ihrer Preise.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Unternehmen tatsächlich stundenweise betrieben werden kann und Sie für Kunden in einem überschaubaren Zeitrahmen erreichbar sind.
  • Ihre Geschäftsidee sollte weiteres Entwicklungspotenzial aufweisen.
  • Auch Gründungen im Nebenerwerb müssen beim Gewerbeamt und Finanzamt angemeldet werden.

Soziale Absicherung im Nebenerwerb

Angestellte Nebenerwerbsselbstständige zahlen – wie alle Arbeitnehmer – grundsätzlich die Hälfte ihrer Sozialversicherungsbeiträge selbst, die andere Hälfte trägt der Arbeitgeber. Arbeitslose sind über die Bundesagentur für Arbeit sozialversichert. Solange die Selbstständigkeit nebenberuflich ausgeübt wird, ist keine zusätzliche Krankenversicherung erforderlich. Allerdings wird der Beitrag in der Regel anteilig am Umsatz des Nebenerwerbs erhöht. Klären Sie daher vor der Gründung direkt mit Ihrer Krankenversicherung, welche Mehrkosten auf Sie zukommen – damit es später keine Nachzahlungen gibt.

Neben- oder hauptberuflich selbstständig werden – was passt zu Ihrer Situation?

Die Antwort hängt stark von Ihrer individuellen Ausgangslage ab. Wer einen weitgehend sicheren Job hat, der Freude bereitet und ein solides Einkommen bringt, sollte diesen nicht vorschnell aufgeben. Gerade dann, wenn noch Unsicherheit besteht – ob die Selbstständigkeit das Richtige ist oder ob die Geschäftsidee trägt – ist die nebenberufliche Gründung der sinnvollere erste Schritt. Weitere Informationen dazu finden Sie hier: Nebenberuflich gründen

Der spätere Wechsel in die hauptberufliche Selbstständigkeit ist dann gut planbar. Bedenken Sie dabei, dass mit dem Wechsel neue Kosten entstehen – insbesondere für Kranken- und Rentenversicherung. Ein finanzielles Polster für ruhigere Phasen sollte zu diesem Zeitpunkt bereits vorhanden sein.

Später in die hauptberufliche Selbstständigkeit zu wechseln ist dann relativ einfach und problemlos möglich. Bedenken Sie dabei auch, dass der Wechsel neue Kosten mit sich bringt wie etwa Kranken- und Rentenversicherung. In jedem Fall sollte es dann auch möglich sein, ein Polster für schlechtere Zeiten zurücklegen zu können.
Wer alle wichtigen Aspekte strukturiert durchdenken möchte, bevor er eine Entscheidung trifft, findet in meinem Buch zur Existenzgründung eine fundierte Grundlage: Existenzgründung 45plus oder meinem Buch Wenn der Job nicht mehr zu dir passt.

Gründungsberatung mit AVGS-Gutschein der Arbeitsagentur

Wer sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen möchte, kann von der Agentur für Arbeit einen sogenannten AVGS-Gutschein (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein) erhalten. Die Kosten für eine professionelle Gründungsberatung müssen dann nicht vollständig selbst getragen werden. Auch die Gründungsberatung von 1a-STARTUP ist mit dem AVGS-Gutschein förderbar.

Mit gezielter Unterstützung und einem durchdachten Businessplan können Sie fundiert entscheiden, ob der vollständige Einstieg in die Selbstständigkeit der richtige nächste Schritt ist – oder ob zunächst weitere Vorbereitungen sinnvoll sind.

Sprechen Sie mich gerne direkt an. Ich helfe Ihnen dabei, den richtigen Weg zu finden, die passenden Fördermittel zu nutzen und von Anfang an die richtigen Weichen zu stellen. Die wichtigsten Informationen zum Gründungszuschuss und zur Beratungsförderung finden Sie vorab hier: Zum Gründungszuschuss-Ratgeber

Über die Autorin:
Dagmar Schulz ist seit 2009 zertifizierte Gründungsberaterin (AZAV, BAFA, BPW) und Inhaberin von 1a-STARTUP Unternehmensberatung.
Sie hat über 1.000 Gründer:innen bundesweit erfolgreich in die Selbstständigkeit begleitet – mit Fokus auf Businessplanung, Fördermittel und den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit.
Als DEKRA-zertifizierte Trägerin für AVGS-Gründercoachings und erfahrene Speakerin gibt sie ihr Wissen praxisnah weiter – mit Mut, Klarheit und Strategie.
Bekannt aus „Hart aber fair“ (ARD) im Gespräch mit Hubertus Heil.

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