Ab wann habe ich es als Unternehmer geschafft?

Denkst du auch über ein eigenes Unternehmen nach bzw. bist du schon mittendrin in der Gründung? Dann bist du in bester Gesellschaft. Viele Menschen in Deutschland möchten sich selbstständig machen und mit einem eigenen Business durchstarten. Der Traum von mehr Selbstbestimmung, Flexibilität und einer Tätigkeit ohne Einschränkungen „von oben“ ist in jeder Altersklasse zu finden, vom Studierenden mit großen Visionen bis zur Mutter, deren Kinder nun aus dem Haus sind und die nun endlich beruflich mit der eigenen Geschäftsidee durchstarten möchte.

Von
Dagmar Schulz
15. August 2023
Minuten
Dein Business, Dein Tempo. Selbstständigkeit bedeutet Geduld, Anpassung und Durchhaltevermögen.

Inhaltsübersicht

Die finanziellen Ziele sind so unterschiedlich wie die Gründe für eine berufliche Selbstständigkeit. Während die/der eine alles auf eine Karte setzt, um mit dem eigenen Unternehmen die ganze Familie zu ernähren, möchten sich andere mit einer Firma im Nebenerwerb lediglich etwas dazuverdienen und so erst mal in das Thema Selbstständigkeit reinschnuppern.

Trotz aller Unterschiede, eine Frage stellen sich alle Gründerinnen und Gründer: Wann habe ich mein Ziel erreicht? Ab wann bin ich erfolgreich, ab wann habe ich es tatsächlich geschafft?

Die ersten drei Jahre der Selbstständigkeit zeigen die Richtung an

Geduld ist eine der wichtigsten Eigenschaften für jede Gründerin bzw. jeden Gründer. Ein fataler Denkfehler, dem ich als Existenzgründungsberaterin häufig begegne, ist folgender: Ich warte das erste Jahr ab und schaue dann, ob mein Unternehmen erfolgreich ist. Wenn ja, mache ich weiter, wenn nein, gebe ich auf bzw. mache etwas anderes.

Warum ein Jahr nicht ausreicht, um das eigene Business zu beurteilen? Weil zwölf Monate schlichtweg zu kurz sind und das aus vielen Gründen:

  • Prozesse haben sich noch nicht eingespielt.
  • Kunden benötigen Zeit, um a) ein neues Unternehmen zu entdecken und b) sich zum Kauf zu entscheiden.
  • Marketingmaßnahmen benötigen Zeit, um zu greifen.
  • Das eigene Angebot sollte regelmäßig überprüft und angepasst werden, bis es wirklich „rund“ ist.

Hinzu kommen – und das ist nicht zu vernachlässigen als wichtiger Faktor – äußere Umstände und Entwicklungen. Selbst der beste Businessplan kann immer nur die Grundlage sein, dass eine Geschäftsidee erfolgreich wird. Ohne ihn geht es gar nicht. Aber selbst, wenn er perfekt ist, haben wir nicht immer alle Dinge nur in unserer eigenen Hand.

Nehmen wir nur einmal die Corona-Pandemie. Wer einen Monat vor Beginn der Pandemie ein Unternehmen gegründet hat, sieht sich plötzlich mit einer völlig veränderten Realität konfrontiert. Die Menschen verlassen nur noch für die nötigsten Einkäufe das Haus und setzen mehr auf Onlineservices. Hinzu kommen andere Beschränkungen, etwa für die Gastronomie.

Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie hätten eine kleine Sandwich-Bar eröffnet, etwa ein halbes Jahr vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Anfangs lief das Geschäft langsam an, da die Leute erst einmal die Bar kennenlernen mussten. Doch dann begann es immer besser zu laufen, und plötzlich brach die Corona-Krise aus. Alles kam zum Stillstand, es sei denn, Sie passten sich blitzschnell an und setzten auf die Auslieferung von Speisen außer Haus.

Ein weiteres Beispiel wäre die künstliche Intelligenz. Innerhalb weniger Monate haben ChatGPT und ähnliche Technologien ganze Branchen verändert. Gerade im Kreativsektor fragen sich viele Selbstständige, ob ihre eigenen Jobs bald überflüssig werden könnten.

Kleiner Exkurs: Ist KI wirklich die Lösung für alles? Macht sie uns gar überflüssig?

Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon einmal die neuen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz ausprobiert? Keine Frage, es macht Spaß, dem Programm dabei zuzusehen, wie es ganze Texte innerhalb von Minuten ausspuckt, für die man selbst Stunden gebraucht hätte?

Künstliche Intelligenz ist ein echter Meilenstein und ein großer Einschnitt. Sie ist eine Technologie, die uns in Zukunft begleiten wird, ob wir das gut finden oder nicht. Aber auch wenn sie viele Möglichkeiten und großartige Erleichterungen mit sich bringt, etwa im medizinischen Bereich, so kann sie doch niemals uns Menschen ersetzen.

Nehmen wir einmal das Beispiel Texterstellung. Eine professionelle Texterin bzw. ein Texter sammelt nicht einfach nur Fakten der meist angeklickten Seiten zu einem Thema und stellt diese nach unseren Vorgaben zusammen. Die richtige Zielgruppenansprache ist mindestens genauso wichtig wie die Fakten. Oder die Tonalität an sich. Klar, man kann mit einem guten Prompt viel aus einem KI-Text herausholen. Aber ohne denjenigen, der die passenden Befehle eingibt, kommt in den meisten Fällen kein runder, exzellenter Text dabei heraus. Mal davon abgesehen, dass ChatGPT & Co. keine Fakten oder Zahlen checken. Diese Aufgabe bleibt immer noch uns überlassen.

Wer sich nur auf die KI verlässt, wird an Qualität einbüßen. Das gilt auch für die Erstellung von Bildern. Der Mensch kann die KI nutzen und sich selbst die Arbeit erleichtern, aber es ist und bleibt ein unpersönliches und gefühlloses Hilfsmittel.

Warum ich das Thema anspreche? Weil gerade Gründerinnen und Gründer, die sich in einem Kreativberuf selbstständig machen möchten, kommen häufig mit der Sorge zu mir, dass die KI ihr Business überflüssig macht. Und um deutlich zu machen, dass äußere Einflüsse nicht immer steuerbar sind und dass deshalb ein Jahr Selbstständigkeit nicht ausreicht, um über Erfolg oder Misserfolg zu entscheiden. Wer ein Unternehmen gründet, muss immer einen Blick auf den Markt, auf Trends und neue Entwicklungen haben. Um zu reagieren, zu optimieren und dazuzulernen. Und das kostet eben Zeit.

In einem Jahr können so viele äußere Einflüsse auf Sie zukommen, die Sie nur teilweise beeinflussen können. Lieferengpässe, verändertes Kaufverhalten, Inflation, Preissteigerungen beispielsweise infolge eines politischen Konfliktes wie dem Krieg in der Ukraine, gestörte Lieferketten, neue Gesetze usw. All das kann Einfluss auf Ihr Business und Ihren Erfolg haben. Und selbst wenn die Zeiten relativ ruhig sind, ist ein Jahr einfach zu kurz, um deinen Erfolg zu bemessen und darüber zu entscheiden mach ich weiter oder nicht.

Zu hohe Erwartungen an deine Selbstständigkeit führt zu Frust – also realistisch und geduldig bleiben

Was ich immer wieder erlebe: Zu hohe Erwartungen an den Erfolg der eigenen Selbstständigkeit führen zu Frustration, daher sollte man seinem Business auf jeden Fall ausreichend Zeit geben, sich zu entwickeln. Etwa drei Jahre dauert es, bis sich die Prozesse in einem neu gegründeten Unternehmen eingespielt haben und man eine erste Prognose wagen kann. Diese Zeitspanne kann je nach Branche und den äußeren Umständen auch kürzer ausfallen oder deutlich länger sein. Irgendwann aber kommt ein Punkt, an dem er eine Entscheidung treffen muss: Mache ich weiter oder ist meine Selbstständigkeit gescheitert?

Also nehmen Sie sich von Anfang an die nötige Zeit um Ihr Business aufzubauen und gebe dem ganzen Vorhaben eine realistische (Zeit-) Chance sich zu entwickeln.

Naturgemäß sind die Indikatoren dafür, dass eine Gründung nicht erfolgreich war, deutlicher als die Erfolgszeichen. Meistens stimmen die Umsätze nicht oder ein Produkt bzw. eine Dienstleistung findet einfach keinen Absatz. Spätestens beim Einsetzen von echten Existenzängsten müssen Gründerinnen und Gründer einsehen, dass es so nicht weitergeht. Scheitern bemerkt man also relativ einfach, während das Gefühl des Durchbruchs nicht so klar ausfallen muss und von Mensch zu Mensch sehr unterschiedliche Auslöser haben kann. Selbst gesetzte Ziele spielen dabei eine entscheidende Rolle, wenn sich Gründerinnen und Gründer selbstständig machen.

Ziele setzen macht viele Dinge einfacher

Um zu wissen, ob man wirtschaftlich erfolgreich ist, sollte man sich klarmachen, was Erfolg für einen selbst überhaupt bedeutet. Ist es ein bestimmtes finanzielles Ziel, das man erreichen möchte? Ist es eine gewisse Absatzmenge? Vielen Menschen fällt es leichter, sich zu motivieren, wenn sie sich vorab ein konkretes Ziel gesetzt haben, z. B. „Ich möchte im ersten Jahr Summe xy einnehmen.“, „Ich möchte im dritten Jahr eine bestimmte Anzahl neuer Produkte auf den Markt bringen.“ oder „Ich möchte im vierten Jahr schwarze Zahlen schreiben.“

Diese klaren Ziele kann man notieren, eine Strategie zum Erreichen erstellen, Pläne umsetzen und bei Erfüllung von seiner Liste abhaken. Eine Aufgabe oder ein Ziel tatsächlich mit einem Erledigt-Haken zu versehen, gibt einem das Gefühl, etwas geleistet zu haben und dafür die gerechte Entlohnung zu erfahren. Gleichzeitig macht sich Stolz auf die eigene Leistung und das Erreichte breit – das motiviert für die nächsten Schritte und hilft beim Bewältigen zukünftiger Aufgaben/Hürden. Wenn man schwarz auf weiß vor sich hat, was man geschafft hat, wächst das Selbstbewusstsein und das Bild, das man von sich selbst als Unternehmer hat, wird positiver.

Wichtig: Die Ziele sollten realistisch sein, denn nichts demotiviert mehr als ständiges Scheitern. Ziele sollten anspornen, aber nicht einschüchtern. Dann sind sie eine echte Hilfe für jede Phase eines Unternehmens. Und am besten definiert man schon das nächste Ziel, wenn man eines erreicht hat. Dadurch reduziert sich auch das Gefühl „in ein Loch zu fallen“, was manche Gründerinnen und Gründer haben, wenn sie eine große Herausforderung erfolgreich gemeistert haben.

Tipp: Wer seinen Businessplan so konkret und ausführlich wie möglich gestaltet, hat bereits viele Ziele für die eigene Selbstständigkeit definiert. Und: nur wenn man sich konkret Ziele setzt, können diese auch eintreten! Und bitte nicht zu schwache Ziele setzen, damit genug Energie freigesetzt wird zu einem ordentlichen Ergebnis zu gelangen. In der Startphase liegt man gerne schon mal unter den Zielen und wenn das klitzeklein war – lag es vielleicht auch an der falschen Energie ;-).

Erfolg misst sich nicht nur in Geld

Finanzielle Ziele können ein guter Indikator sein, ob man mit seinem Unternehmen auf der richtigen Spur unterwegs ist. Das Erreichen bestimmter Umsatzzahlen motiviert und beruhigt jede Selbstständige/jeden Selbstständigen, jedoch gibt es weitere „Wendepunkte“, die nichts mit Geld zu tun haben müssen.

Bestehenden Unternehmen steht eine Beratungsförderung zur Verfügung, die Sie in Anspruch nehmen können, wenn Sie Ihr Unternehmen neu ausrichten möchten: BAFA-Beratungsförderung.

Einige Beispiele:        

Eine Floristin hat sich mit einem eigenen kleinen Laden selbstständig gemacht. Nach einer gewissen Startzeit kann sie die Nachfrage immer besser einschätzen und genauer kalkulieren. Dadurch muss sie weniger Blumen wegwerfen und ihren Gewinn dadurch steigern. Für sie ist das Gefühl, richtig planen und einkaufen zu können, sodass ihr Laden abends meistens leergekauft ist, ein echtes Erfolgsgefühl. Ein weiteres Zeichen dafür, dass sie es geschafft hat, ist die steigende Anzahl von Kunden und Weiterempfehlungen. Sie ist irgendwann so gut im Geschäft, dass sie eine Aushilfe einstellen kann und ihr später sogar einen Ausbildungsplatz anbieten kann. Dadurch hat sie wieder mehr Zeit für die Familie und muss sich keine Sorgen mehr machen, dass am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig ist. Sie denkt sogar darüber nach, in ein größeres Ladenlokal umzuziehen – hier sind es viele einzelne Punkte, die der Gründerin gezeigt haben, dass sie es geschafft hat.

Sich mit einem Hundesalon selbstständig machen war der Traum einer anderen Existenzgründerin. Nachdem sie passende Räumlichkeiten gefunden hatte, hat sie diese nach ihren Vorstellungen eingerichtet und nach und nach die ersten Kunden empfangen. Das Gefühl des Durchbruchs setzte bei ihr zum ersten Mal ein, als die ersten Besitzer von Showhunden zu ihr kamen und zufrieden mit ihrer Leistung waren. Durch die Weiterempfehlungen innerhalb dieses anspruchsvollen Kundenkreises hat sie nach drei Jahren einen großen Stammkundenkreis und ist deutschlandweit als Hundefrisörin gefragt. Auch hier spielt natürlich die Tragfähigkeit des Unternehmens eine große Rolle, ab wann eine Gründung erfolgreich war. Jedoch kommt im Fall der Groomerin noch die fachliche Komponente hinzu, das Gefühl, besonders gut in dem zu sein, was man tut.

Für den Gründer, der sich mit einem IT-Unternehmen selbstständig machen möchte, steht neben dem wirtschaftlichen Erfolg auch die öffentliche Anerkennung zentral. Als er nach zwei Jahren als Nachwuchsunternehmer in einem Fachmagazin vorgestellt wird, hat er persönlich das Gefühl „Jetzt habe ich es geschafft.“ Die Anerkennung durch ein Fachmedium zeigt ihm sehr deutlich, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Durch den Artikel bekommt er zudem viele neue Kunden, was den Umsatz steigert und so auch finanzielle Erfolge mit sich bringt.

Egal, ob es rein wirtschaftliche Ziele sind, ob es also um die finanzielle Tragfähigkeit eines Unternehmens geht oder ob weitere, ganz persönliche Indikatoren dazu führen, sich als Unternehmer angekommen zu fühlen – wenn der Moment da ist, hat sich all die Zeit und Mühe gelohnt. Zu wissen, dass man a) den richtigen Weg gewählt hat und b) die eigene Leistung gut ist, ist für jeden Selbstständigen das eigentliche Ziel. Unabhängig davon, ob man seinen Erfolg rein an den Zahlen bemisst oder ob man ganz eigene Vorstellungen davon hat, ab wann man es geschafft hat.

Dagmar Schulz von 1a-STARTUP über ihren persönlichen Aha-Moment

„2012 gab es einschneidende Veränderungen für Gründerinnen und Gründer: Förderungen fielen entweder ganz weg oder wurden Ermessensleistungen. Was sich zuerst nach einer – positiv ausgedrückt – großen Herausforderung für mich als Existenzgründungsberaterin anhörte, entwickelte sich jedoch zu einer Art „Durchbruch“ für 1a-STARTUP. Denn durch den Wegfall der Leistungen fielen nach und nach auch all die schwarzen Schafe meiner Branche weg, die in den Jahren zuvor wie Pilze aus dem Boden schossen, in erster Linie um von der Förderung von Gründern zu profitieren. Letztendlich hat sich die Beraterqualität durchgesetzt, wodurch ich mit 1a-STARTUP einen großen Schritt nach vorne gemacht habe. Nachdem diese Herausforderung gemeistert war, wusste ich, dass ich ab jetzt alles würde schaffen können.“

1a-STARTUP hilft dir, deine Erfolgschancen realistisch einzuschätzen

In den letzten Jahrzehnten hat Dagmar Schulz Gründerinnen und Gründer unzähliger Branchen auf dem Weg zum eigenen Business begleitet. In ruhigen und in „stürmischen“ Zeiten. Auf Grundlage ihrer Erfahrungen hat sie nicht nur einen Ratgeber verfasst, sondern mit der ein Seminarangebot geschaffen, das Gründerinnen und Gründern von A-Z alle notwendigen Informationen für eine erfolgreiche Existenzgründung bereitstellt.

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