Interview: Gründerinnen: „Die Frauen holen sich, was ihnen zusteht“

Frauen gründen deutlich überlegter und risikobewusster als Männer. Dabei sollten sie allerdings nicht zu brav sein - sonst bleibt der Erfolg aus, sagt Dagmar Schulz, Unternehmensberaterin aus Düsseldorf. Wir sprachen mit ihr über die spezifische Situation von Existenzgründerinnen in Deutschland.

In den Chefsesseln großer Konzerne sind gerade einmal 3 Prozent Frauen vertreten. Unter den Existenzgründern sind es rund 40 Prozent - Tendenz steigend. Haben es immer mehr Frauen satt, unter der "Knute" der Männer und der Konzernbürokratie zu arbeiten?
Dagmar Schulz: Nein, so würde ich es nicht benennen wollen. Zum einen werden Frauen einfach mutiger und „trauen“ sich die Selbstständigkeit zu. Eine mangelnde Aufstiegschance kann ein zusätzlicher Grund sein. Manchmal bleibt einer Frau aber auch nichts anderes übrig, wenn in Teilzeit kein Job zu finden ist, um es mit der Familie vereinbaren zu können.

Warum wollen immer mehr Frauen Ihr eigener Chef sein?

Dagmar Schulz: Frauen haben immer häufiger den Wunsch mehr eigene Verantwortung zu übernehmen und die Ideen und eigenen Kompetenzen in der Form umzusetzen, wie „Sie“ es will. Eine weitere Motivation ist die Benachteiligung, wenn es um ein „gerechtes“ Einkommen und Anerkennung geht. In der Arbeitswelt heute leider noch immer häufig ein Manko, dann holt sich „Frau“ einfach selber was ihr „zusteht“. Dieses Ziel zu erreichen, ist sicher auch keine leichte Aufgabe, aber durchaus erreichbar.

Gründen Frauen anders als Männer?

Dagmar Schulz: Ganz klares ja! Fest steht, dass Frauen vor allem überlegter und risikobewusster an eine Gründung herangehen. Das soll nicht heißen, dass Männer generell mit Risiko gründen. Frauen sind auch eher bereit von Ihrem Umfeld Informationen auf- und anzunehmen und ggf. einzubinden. Männer gehen eher ihren Weg geradeaus ohne vielleicht einmal links und rechts zu schauen. Und mit einem Augenzwinkern, Frauen sagen offen, wenn es gerade einmal nicht so gut läuft – bei Männer läuft eher immer als „bestens“.

"Das eigene Unternehmen darf die Familie nicht stören, ansonsten stört das Unternehmen die Familie."

Eine KfW-Bank-Studie besagt, dass Frauen mit weniger Kapital gründen als Männer. Wie kommt das? Und kann man mit wenig Kapital genauso erfolgreich sein?
Dagmar Schulz: Eine Frau fragt sich am Anfang, ist es nötig direkt beim Start die großen Büroräume zu mieten oder das große Auto zu kaufen und direkt Personal einzustellen. Das hört sich nach Klischee an, ist aber ein absoluter Erfahrungswert. Auch mit weniger Kapital kann eine Gründung erfolgreich sein. Ein absolut gut durchdachter Businessplan ist die beste Voraussetzung für Erfolg und nicht ein hohes Darlehen.

Viele Frauen starten laut einer KfW-Bank-Studie im Nebenerwerb, unter anderem, weil sie sich um die Familie kümmern. Welche Tipps können Sie Ihren Gründerinnen geben, Familie und Selbstständigkeit unter einen Hut zu kriegen?
Dagmar Schulz: Das geht nur mit einer guten Vorbereitung und Unterstützung auf der ganzen Bandbreite – sprich Familie und Freunde. Die gute Organisation der Unternehmerin steht dabei enorm im Vordergrund. Das eigene Unternehmen darf die Familie nicht „stören“, ansonsten stört das Unternehmen die Familie. Egal ob männliche oder weibliche Existenzgründung, gerade in der Startphase muss gewährleistet sein, dass ohne schlechtes Gewissen so lange wie nötig und gewollt gearbeitet werden kann. "Gründerinnen dürfen gerne mal zickig sein".

Macht eine Teilzeit-Gründung Ihrer Meinung nach Sinn?

Dagmar Schulz: Dies macht Sinn, wenn das Ziel der Gründung ein Überschaubares ist. Klar ist, wenn ich mich nicht Vollzeit um mein Vorhaben kümmere, wird es auch in einem anderen Tempo voran gehen. Hier muss der Kosten-Nutzen-Faktor in einem guten Verhältnis stehen. Vorteil: bei einer Teilzeit-Gründung kann die Unternehmerin nebenbei ihren Kundenstamm stückweise aufbauen, Erfahrungen sammeln was geht gut und was geht nicht gut, und wenn die Kinder groß sind, kann Frau durchstarten.

Was sind die klassischen Fehler, die Frauen in der Existenzgründung machen. Oder umgekehrt gefragt: Welche Faktoren gibt es, um als Gründerin erfolgreich zu sein?
Dagmar Schulz: Um erfolgreich zu sein benötigt eine Gründerin den nötigen Biss, um sich durchzusetzten. Dabei darf „Frau“ auch gerne einmal „Zicke“ sein und es sogar als Kompliment verstehen, wenn sie sich für ihre eigenen Belange stark macht. Frauen sind häufig in vielen Bereichen zu scheu, zu zurückhaltend und zu lieb und scheuen die Konfrontation und befinden sich lieber in „Harmonie“. Das sind keine idealen Voraussetzungen um erfolgreich zu sein. Auch ein typisches Frauenverhalten: ihr genügt es so viel zu verdienen um zu (über-) leben. Das Problem ist, wenn ich mir ein kleines Ziel stecke, werde ich selbst dieses kleine Ziel nur schwer erreichen und es wird erfahrungsgemäß eher immer (zu) klein bleiben.

Dagmar Schulz ist Inhaberin von 1a-STARTUP. Sie berät Existenzgründer, kleine und mittelständische Unternehmen sowie Freiberufler. Eines ihrer Spezialgebiete ist professionelle Beratung für Frauen. Quelle: Gründerinnen: "Die Frauen holen sich, was ihnen zusteht" - www.existenzgruender-jungunternehmer.de

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