Tipps zum Gründercoaching aussuchen

Experten-Interview zum Gründercoaching

Gründercoaching-Expertin Dagmar Schulz

Experten Interview für das Portal Existenzgründer-Jungunternehmer

Dagmar Schulz ist Beraterin für das KfW Gründercoaching Deutschland. Sie unterstützt mit ihrer Unternehmensberatung 1a-STARTUP Menschen beim Weg in die Selbstständigkeit.

Für wen ist das Gründercoaching geeignet?

Dagmar Schulz: Im Prinzip kann jeder ab dem ersten Tag der Selbstständigkeit das Gründercoaching Deutschland in Anspruch nehmen, um sich Unterstützung zu ganz vielen unterschiedlichen Themen ins Haus zu holen. Das kann etwa bei ganz persönlichen Fragen der Fall sein. Zum Beispiel zum Thema Prioritätensetzung, Zeitmanagement oder wenn es um das Preisekalkulieren geht. Aber auch den Fragen: „Wie kann ich Kunden gewinnen?" „Wie mache ich mich bekannter?" Oder wenn jemand betriebswirtschaftliche Beratung in Anspruch nehmen möchte. Die Bandbreite der Menschen, für die sich ein Gründercoaching anbietet, ist riesig.

Insgesamt kann jeder Gewerbetreibende und jeder Freiberufler das Coaching in Anspruch nehmen. Mit dem neuen Programm, das nun am 1. Mai 2015 in Kraft tritt, gilt das auch für solche Gründer, die in den sogenannten Social Entrepreneur, in gemeinnütziger Rechtsform also, gegründet haben.

Warum ist das Gründercoaching für Jungunternehmer aus Ihrer Sicht wichtig?

Schulz: Wenn man sich selbstständig macht, hat man das normalerweise in der Vergangenheit noch nie getan. Und insbesondere die erste Zeit ist auch vom Gefühl her sehr schwierig. Viele Gründer fragen sich da beispielsweise: Wie gehe ich die Selbstständigkeit am besten an?

Und nicht wenige fühlen sich dann ein bisschen alleine. Das ist zum Beispiel ein positiver Aspekt des Gründercoachings: Man ist nicht alleine. Man hat einen professionellen Berater, den man alles fragen kann. Auch wenn es um das ganz normale Tagesgeschäft geht. Durch das Coaching erfährt man etwa, wie man die typischen Anfängerfehler vermeidet.

Welche sind das?

Schulz: Häufig starten Leute und sagen: „Ich gebe mir ein Jahr, schaue ob es läuft, und entscheide dann, ob ich weiter mache." Das wäre etwa ein fataler Fehler. Denn ein Jahr ist überhaupt nicht repräsentativ. Man muss stattdessen ein bisschen Ausdauer mitbringen. Man sollte sich also mindestens zwei bis drei Jahre geben, um sagen zu können, dass man davon leben kann und dass es auch für einen selbst der richtige Weg ist.

Viele Gründer glauben darüber hinaus zum Beispiel, wenn sie eine Internetseite machen und Flyer drucken und diese verteilen, brummt das Geschäft. Aber gerade bei einer Internetseite ist es zum Beispiel wichtig, dass man lieber klein und fein beginnt, weil der erste Eindruck der wichtigste ist. Außerdem braucht nicht jeder von Anfang an Flyer. Vielleicht ist eine andere Marketingmaßnahme da am Anfang viel wichtiger. Und das erarbeitet man zum Beispiel auch im Gründercoaching.

Welche Coachingmaßnahmen können etwa mit der Förderung der KfW Bank finanziert werden und welche nicht?

Schulz: Am einfachsten ist es hierbei zu sagen, was nicht gefördert wird. Das sind zum Beispiel die Steuer- und Rechtsberatung sowie die tatsächliche Erstellung von Marketingmitteln. Zum Beispiel der Aufbau einer Webseite. Das kann nicht über das Gründercoaching abgerechnet werden. Denn beim Gründercoaching geht es ganz speziell um die Beratung und das Coaching selbst. Etwa zu betriebswirtschaftlichen Themen, zum Marketing, also zu allem, was mit der Person zu tun hat und nicht mit der Herstellung von Dingen.

Mit welchen Fragen wenden sich Jungunternehmer und Existenzgründer in erster Linie an Sie?

Schulz: „Mache ich alles richtig?": Das ist eine Frage, die die meisten Gründer stellen. Sie überlegen, ob sie die richtigen Prioritäten setzen. Aber sie fragen sich auch, ob der Kostenvoranschlag, um in eine Marketingmaßnahme zu investieren, realistisch ist oder ob sie über den Tisch gezogen werden. Ein Punkt, der gerade bei Anfängern in der Selbstständigkeit versucht wird, da man davon ausgeht, dass sie Investitionen absetzen können. Dass die Gründer dieses Geld, was sie ausgeben, aber erst einmal verdienen müssen, wird gerne vergessen.

Wo bestehen die größten Unsicherheiten bei Jungunternehmern?

Schulz: Sie bestehen bei vielen Gründern insbesondere in der finanziellen Kalkulation und Planung. „Komme ich mit meinem Geld in diesem Jahr aus?", „Ist meine Planung der zu erwartenenden Einnahmen und der Ausgaben realistisch?", „Habe ich alles richtig geplant? Oder bin ich in einem Jahr schon insolvent?": Das sind Fragen, die viele Gründer umtreiben. Und genau in diesen Punkten gibt man den Gründern im Coaching Halt.

Sind Existenzgründer, die ein Gründercoaching in Anspruch nehmen erfolgreicher als andere Jungunternehmer?

Schulz: Ganz klar: Ja. Denn ein Existenzgründer kann natürlich gar nicht alles können. Wer sich selbstständig macht, ist in der Regel Experte in seinem eigenen Berufsfeld. Aber im Bereich der Selbstständigkeit können sie kein Experte sein. Und darum ist es wichtig, dass man sich Hilfe holt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Hier geht es zum Interview auf Existenzgründer-Interview und weiteren Hintergrundinformationen zum Gründercoaching.