Gründen neben dem Job
Für viele angehende Existenzgründer stellt sich irgendwann die Frage, ob sie direkt in eine Vollzeitselbstständigkeit oder Ihre Geschäftsidee erst im Nebenerwerb starten sollen. Die Gründe für das eine oder andere sind vielfältig. Die individuelle Familiensituation, der berufliche Status Quo sowie die Themen Finanzen und Sicherheit spielen eine große Rolle. Auch der Faktor Zeit kann diese Entscheidung beeinflussen. Jeder Gründer muss das Wie für sich selbst entscheiden, es gibt mehr als nur einen Weg in die Selbstständigkeit. Es gibt in dieser Frage keine richtige oder falsche Antwort, beide Varianten haben sowohl Vor- als auch Nachteile. 

Wann macht eine nebenberufliche Gründung Sinn?

Zwei Beispiele: Sie haben momentan schulpflichtige Kinder, die allerdings in 2 Jahren so selbstständig sind, dass Sie wieder Vollzeit arbeiten können. Oder Sie haben einen befristeten Arbeitsvertrag und möchten erst dann in die volle Selbstständigkeit gehen, wenn der Vertrag ausgelaufen ist oder nicht verlängert wird. Egal, ob aus zeitlichen oder finanziellen Gründen – Sie möchten Ihre Geschäftsidee zuerst einmal auf nebenberuflicher Basis ausprobieren, damit Sie die Idee entweder erst testen können oder damit Ihnen keiner zuvorkommt. Das kann Ihnen jederzeit passieren, gerade bei Branchen, in denen großer Konkurrenzdruck herrscht. Bevor jemand Ihre Lorbeeren erntet, sollten Sie auf jeden Fall eine Gründung im Nebenerwerb in Betracht ziehen und sich auf diese Weise schon einmal etablieren. 
Es gibt weitere gute Gründe, nicht sofort als Vollunternehmer loszulegen. Das finanzielle Risiko ist geringer und Sie können während dieser Phase Ihre Fähigkeiten testen und gegebenenfalls erweitern. Kunden können Sie schon einmal kennenlernen und zu Stammkunden werden, die Sie weiterempfehlen. Das macht einen Übergang zu einer hauptberuflichen Selbstständigkeit leichter. Sie werden viel sicherer sein, in dem, was Sie tun und anbieten, können Ihre Preise einschätzen, werden Produkte und Abläufe aus dem FF kennen und sich ein Netzwerk aus Lieferanten, Produzenten und Geschäftspartnern aufgebaut haben. Nicht zu vergessen: Falls Sie parallel angestellt sind, entfallen die teils hohen Beiträge für Sozialabgaben. Dieses Geld können Sie stattdessen in Ihr Unternehmen investieren oder Rücklagen bilden.

Nachteile der nebenberuflichen Selbstständigkeit

In bestimmten Situationen macht es also durchaus Sinn, seine Geschäftsidee erst einmal zu testen, ohne gleich das volle (finanzielle) Risiko tragen zu müssen. Doch es gibt auch einige Argumente, die gegen diese Testphase sprechen. Sie können sich aufgrund der Doppelbelastung, z. B. weil Sie noch in Teilzeit angestellt sind, niemals ganz auf Ihr Business konzentrieren. Zeit für die Familie oder Freizeit könnten zu kurz kommen. Sie sind u. U. nicht ausreichend flexibel, um auf die Wünsche Ihrer Kunden eingehen oder auf Markterfordernisse reagieren zu können. Darüber hinaus könnte bei Ihren Geschäftspartnern der Eindruck entstehen, dass Sie nicht zu 100 % hinter Ihrer Geschäftsidee stehen bzw. sich nicht voll einbringen wollen oder können. Das muss nicht sein, ist aber möglich.
Eine Idee zu testen, ist sicherlich grundsätzlich kein schlechter Gedanke. Gerade dann, wenn Ihre Geschäftsidee zwar gut und ausgereift ist, Sie selbst aber noch nicht zu 100 % alle nötigen Fähigkeiten besitzen. Die Testphase sollte jedoch eine gewisse Zeit nicht überschreiten. Nach etwa 3 Jahren haben sich Vorgänge meistens eingespielt, das Marketing hat gegriffen und die Nachfrage ist planbar. Spätestens dann wird ein Punkt kommen, an dem Sie sich zwischen Stagnation und Wachstum entscheiden müssen. Wenn Sie dauerhaft erfolgreich sein und wachsen möchten, werden Sie irgendwann zum Vollzeit-Unternehmer werden. Und das sollte Sie erfreuen, denn dann haben Sie es geschafft. Das Ziel einer beruflichen Selbstständigkeit ist es, davon sein Leben bestreiten zu können und keine andere Tätigkeit nebenbei mehr ausüben zu müssen. Arbeiten Sie auf diesen Moment hin und bereiten Sie den Übergang zur hauptberuflichen Selbstständigkeit sorgfältig vor. 

Vorteile der hauptberuflichen Existenzgründung

Im Gegensatz zu einer Gründung im Nebenerwerb können Sie bei einer Vollzeitgründung von Beginn an Ihre ganze Zeit und Aufmerksamkeit in Ihr Geschäft einbringen. Es gibt keine Ablenkungen und der (positive) Druck, voran zu kommen, ist höher. Das bedeutet, dass Sie in dem Zeitplan bleiben, der in Ihrem Businessplan skizziert wurde. Die Erfolgsaussichten sind dadurch größer, da Sie dauerhaft „am Ball“ bleiben und sich ausführlicher mit allen Aspekten Ihres Unternehmens beschäftigen. Sie sind außerdem jederzeit für Ihre Kunden erreichbar und können auf plötzliche Schwierigkeiten genau so flexibel reagieren wie auf Chancen, die sich spontan auftun.
Unterschätzen Sie nicht die Doppelbelastung, die durch eine nebenberufliche Selbstständigkeit entsteht. Sobald Sie in Ihrem Angestelltenverhältnis Feierabend haben, werden Sie sich höchstwahrscheinlich mit Ihrer Selbstständigkeit beschäftigen, genau wie an den Wochenenden oder in Ihrem Urlaub. Sie haben dadurch weniger Zeit für Familie und Freunde oder für Ihre Hobbys. Ohne Ausgleich werden Sie schnell an Ihre Grenzen kommen, was weder Ihrem Unternehmen guttut noch Ihrem Chef gefallen wird. Thema Arbeitgeber: Sie sollten Ihren Chef unbedingt in Ihre Gründungspläne einweihen. Falls Ihr Arbeitsvertrag entsprechende Klauseln beinhaltet, muss dies zwingend vorher geklärt werden.
Zeit im Überfluss werden Sie natürlich als Vollselbstständiger auch nicht haben. Wenn Sie sich direkt hauptberuflich um Ihre Geschäftsidee kümmern, werden Sie gerade zu Beginn viel arbeiten. Wahrscheinlich mehr als im Angestelltenverhältnis. Allerdings müssen Sie sich gedanklich nicht täglich zweiteilen, sondern können all Ihre Kraft, Fähigkeiten und Ideen in Ihr eigenes Geschäft stecken. Sie sind nur für Ihren eigenen Erfolg verantwortlich und müssen nicht ständig den Spagat zwischen Chef gefallen und Chef sein meistern. Nach und nach werden Sie sich Freiräume schaffen und sich so organisieren, dass Ihnen wieder mehr Freizeit bleibt. Das werden Sie in einer nebenberuflichen Selbstständigkeit nur schwer schaffen, da Ihnen nur begrenzt Zeit für Ihr Unternehmen bleibt. 

Gibt es bei der Gründung Unterschiede?

Für die Anmeldung einer nebenberuflichen Tätigkeit gelten formal die gleichen Anforderungen wie bei einer vollen Existenzgründung. Ganz wichtig: Sie sollten auch Ihre Gründung im Nebenerwerb unbedingt mit einem professionellen Businessplan vorbereiten! Erstens kann man sowieso keinen halben Businessplan erstellen, zweitens möchten Sie auch als nebenberuflicher Unternehmer geschäftlichen Erfolg erzielen und drittens möchten Sie das Ganze irgendwann hauptberuflich angehen. Und spätestens da ist ein solider Businessplan unerlässlich. Bereiten Sie sich sorgfältig vor, denn Zeitdruck haben Sie als nebenberuflicher Gründer in der Regel nicht.
Sollten Sie sich aus der Arbeitslosigkeit heraus für eine Selbstständigkeit im Nebenerwerb entschließen, gilt aktuell ein Freibetrag von 165 Euro. Alles, was Sie darüber hinaus erwirtschaften, wird von Ihrem Arbeitslosengeld abgezogen.
Übrigens: Sobald Sie einen Mitarbeiter beschäftigen, gilt Ihre Selbstständigkeit als Haupterwerb. Auch sollten Sie für Steuerfragen von Beginn an einen Steuerberater hinzuziehen. So vermeiden Sie Nachteile, Nachzahlungen oder andere böse Überraschungen. 

Bitte mehr Selbstbewusstsein 

Es gehört viel Selbstdisziplin dazu, sich neben der hauptberuflichen Arbeit selbstständig zu machen. Gerade bei der Kombination aus Arbeit, Privatleben und dem Firmenaufbau mit begrenztem Zeitbudget zeigt sich oft, wie effektiv etwas erarbeitet werden kann, wenn die Ressourcen gut ausgeschöpft werden. Seien Sie stolz auf sich, wenn Sie zu den Teilzeit-Selbstständigen gehören, denn das ist eine große Leistung. Werten Sie sich gegenüber Vollzeit-Unternehmern nicht ab. Ihre Aufgaben sind viel umfangreicher und vielseitiger, Sie müssen deutlich flexibler sein und sich besser organisieren, um alles unter einen Hut zu bringen. U. U. nutzen Sie sogar Ihre komplette Freizeit und Ihren Urlaub für Ihr Unternehmen – auch wenn dies auf Dauer nicht ratsam ist. Schaffen Sie sich immer ausreichend Raum und Zeit für Erholung und um die nächsten Schritte in Ruhe zu planen.

Mit 1a-STARTUP den richtigen Weg in die Selbstständigkeit finden

Egal, für welche Möglichkeit Sie sich entscheiden – es sollte die richtige Entscheidung für Sie und Ihr Leben sein. Welche Vor- und Nachteile eine haupt- oder nebenberufliche Gründung für Sie persönlich hat, können Sie während einer Existenzgründungsberatung erfahren. Dagmar Schulz von 1a-STARTUP hat schon viele Gründer begleitet und betreut, von denen jeder seinen ganz eigenen Weg in die Selbstständigkeit gefunden hat. Mit ihrer Hilfe treffen auch Sie die richtige Entscheidung für Ihre berufliche Zukunft. Vereinbaren Sie direkt einen Beratungstermin, das 1a-STARTUP-Netzwerk freut sich auf Sie!