Franchise oder Neugründung

Franchising ist eine immer beliebtere Form der Existenzgründung, da es für viele als ein besonders kostengünstiges Modell erscheint. Vielen möglichen Franchisepartnern gefällt außerdem die Vorstellung, auf eigenen Beinen stehen zu können und trotzdem durch ein übergeordnetes Unternehmen organisiert zu werden.
Ob Bäckereifilialen, Fitnessstudioketten, Nachhilfeinstitute oder Fast Food Restaurants: Der Markt der Franchiseunternehmen wächst stetig und immer mehr mögliche Gründer ziehen diese Geschäftsoption in Betracht.

Bevor Sie als erfolgreicher Franchisenehmer durchstarten können, sollten Sie sich ausgiebig informieren!

Doch was heißt „Franchise“ eigentlich genau? Der aus dem Französischen stammende Begriff ,,Franchise“ (als Bezeichnung einer Unternehmensform) bezeichnet ein spezielles Vertriebssystem, das auf die Partnerschaft zu einem Unternehmen baut. Dabei räumt der sogenannte Franchise-Geber meist mehreren Partnern (Franchise-Nehmern) das Recht ein, mit seinen Produkten oder Dienstleistungen unter seinem Namen ein Geschäft zu betreiben. Soweit die Theorie und wie sieht das jetzt in der Praxis aus?

Worüber sollten Sie sich Gedanken machen?

1.    Die Marktchance Ihrer Franchise-Idee

Bevor Sie loslegen ist es wichtig, den Markt an Ihrem gewünschten Franchise Standort zu untersuchen. Gibt es bereits ähnliche Produkte, Dienstleistungen an Ihrem Standort und wo ist die nächste Filiale Ihres möglichen Franchise-Partners? Analysieren Sie Ihre Marktchancen im Vorfeld genau und nehmen Sie die Konkurrenz unter die Lupe. Wie bei jeder anderen Gründung auch, sollte sich ein möglicher Franchisenehmer ausgiebig über Angebot und Nachfrage informieren.

2.    Was wissen Sie über den Franchisegeber

Es gibt mittlerweile über 1000 verschiedene Franchisesysteme in Deutschland, da ist es natürlich wichtig, aus der Masse herauszustechen mit der eigenen Idee. Erkundigen Sie sich genau über das Franchiseunternehmen. Ist es z. B. als Vollmitglied beim Deutschen Franchise-Verband gelistet? Das wäre ein gutes Indiz dafür, dass es sich um einen seriösen Partner handelt. Recherchieren Sie genau, wie lange das Franchiseunternehmen schon aktiv ist und wie sind die Reaktionen zum Management? Auch die Anzahl der Franchisenehmer sagt etwas über den Arbeitgeber aus.

3.    Wie lässt sich das Franchise-Unternehmen finanzieren?

Jetzt geht’s bereits ans Eingemachte: Natürlich müssen Sie sich vor der Entscheidung ein Franchisepartner zu werden, über die Finanzierung informieren. Welche Kosten kommen überhaupt auf Sie zu? Was kann Ihnen das Franchiseunternehmen dazu sagen.

Idealerweise brauchen Sie einen genauen Plan über die folgenden Punkte:
- Welche Investitionskosten zur Standorterrichtung kommen auf Sie zu?
- Wie hoch ist die Eintrittsgebühr an den Franchisegeber?
- Welche laufenden Franchisegebühren entstehen zur Weiterentwicklung des Systems?
- Wie hoch werden die laufende Werbegebühr für regionale oder auch überregionale Werbemaßnahmen?
Wichtig: Fragen Sie direkt beim „Mutterkonzern“ nach, welche Leistungen in den Gebühren enthalten sind und welche zusätzlichen Kosten noch auf Sie zukommen werden. Danach ist es wichtig, ein Konzept zu erstellen, mit dem Sie verdeutlichen, wie Sie die Liquidität Ihres Unternehmens in den nächsten Jahren sichern wollen. Empfehlenswert ist hierbei eine Vorschau über mindestens drei Jahre. Bei einem seriösen Franchisegeber werden Sie von Anfang an unterstützt.

4.    Welche Verträge stehen Ihnen zur Verfügung?

Die Partnerschaft zwischen Ihnen und dem Franchiseunternehmen wird natürlich vertraglich geregelt. Deshalb ist es besonders wichtig, sich über die Details zu informieren. Räumt Ihnen der Franchisegeber evtl. einen Gebietsschutz ein? Das hieße dann, dass über eine Postleitzahl oder eine Gebietskarte vertraglich ein Gebiet  definiert wird, dieses kann der Franchisegeber auch einschränken oder erweitern. Wie sieht die Vertragslaufzeit aus? Meist wird ein Franchisevertrag über zehn Jahre abgeschlossen, vorher ist es kaum möglich für Sie aus dem Vertrag herauszukommen. Auch diese lange Vertragsbindung verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich umfassend über den Franchisegeber zu informieren. Gibt es außerdem möglicherweise einen Passus zu Vertragsstrafen? Auch das sollten Sie im Vorfeld sehr genau überprüfen, da diese schnell hoch ausfallen können.

5.    Wie viele Mitarbeiter benötigen Sie?

Auch wenn Ihnen viel Organisatorisches durch den Franchisegeber abgenommen wird, der Geschaftsführer/die Geschäftsführerin sind natürlich Sie selbst. Das heißt auch, dass Sie genau planen müssen, wie viel Personal Sie für Ihr Unternehmen benötigen. Unterstützt das Unternehmen Sie bei der Personalsuche oder müssen Sie das selbst übernehmen? Wo finden Sie dann geeignete Mitarbeiter und wie viele zusätzliche Mitarbeiter brauchen Sie eigentlich?

6.    Sind Sie bereit?

Ist Franchise genau das passende System für Sie? Bedenken Sie immer, dass Sie beim Franchising auf viele Freiheiten verzichten, die für Selbstständige in anderen Bereichen vielleicht ganz normal sind. Sie handeln längst nicht so eigenmächtig, können sich auf der anderen Seite aber auf ein gut organisiertes System verlassen. Produktänderungen oder Werbemaßnahmen müssen natürlich immer genau mit dem Franchisegeber abgestimmt werden, dafür bekommen Sie direkt immer das komplette „Rüstwerkzeug“ an die Hand.
Fragen Sie sich außerdem, über welches Know-how Sie bereits verfügen und welche Branchenkenntnisse Sie sich noch aneignen müssen. Natürlich eignet sich die Franchisebranche auch immer für Quereinsteiger, aber bestimmte Grundkenntnisse sind natürlich vorteilhaft.