Welche Vorteile bieten sich Existenzgründerinnen und Existenzgründern  bei einer Unternehmensübernahme?

In Deutschland suchen rund 80 000 Unternehmen, deren Firmeninhaber in den wohlverdienten Ruhestand gehen möchten, nach Nachfolgern (Quelle mittelstandswiki).

Eine nicht ganz einfache Situation, da es häufig an Familienmitgliedern fehlt, die das eigens aufgebaute Unternehmen übernehmen möchten oder können.
Keine Nachfolgerin und kein Nachfolger sollte diesen Weg allein aus Traditionsbewusstsein wählen oder weil die Familie es von ihm erwartet und darauf eine eigene Existenz aufbauen.
Die Tatsache, künftiger Erbe oder künftige Erbin eines Familienbetriebes zu sein, qualifiziert nicht automatisch zu einer Unternehmensnachfolge. Wenn noch kein ausreichendes Know-how erworben wurde, das dazu befähigt, ein Unternehmen zu leiten, sind das schlechte Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensfortführung.
Gerade jetzt sucht die Gründergeneration der Nachkriegszeit dringend nach Nachfolgern.
Firmeninhaber arbeiten gerne bis zu einem Zeitpunkt, an dem es schon hart an der Grenze ist mit der nötigen Zeit und Ruhe das eigene Unternehmen an Nachfolger zu übergeben.

Eine Vielzahl von Unternehmen schließen, weil keine Nachfolgeregelung frühzeitig gesucht / gefunden wurde.

Die örtlichen Kammern geben Auskunft darüber, welches Unternehmen auf der Suche nach Existenzgründern und Gründerinnen ist, die einen Betrieb übernehmen möchten.
Weiterhin gibt es im Netz einige Portale, wie das des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie  nexxt change, die Firmenverkäufe vermitteln.
Die übernehmende Person kann auf einige Vorteile zurückgreifen, wenn ein Unternehmen bereits am Markt etabliert ist und die Marktposition gesichert ist.
Gleichzeitig sollten aber auch neue Fragestellungen überlegt werden, die in einem Businessplan ausgearbeitet und beantwortet werden. Alteingesessenen Unternehmen mangelt es gelegentlich an Fortschritt, z.B. was die neuen Medien anbelangt. Ein sensibles Thema für Senior Unternehmer, was aber für die Zukunft und die Sicherung von Arbeitsplätzen nicht unerheblich sein kann.

Im Folgenden geben wir einen Überblick über die Vorteile einer Unternehmensübernahme sowie Tipps für den Businessplan in diesem speziellen Fall. Weiterhin möchten wir Einblick geben über mögliche Nachteile.

Die Vorteile einer Unternehmensübernahme

Aufbauphase – Umsatz vom ersten Tag an
Üblicherweise dauert es einige Zeit, bis ein neu gegründetes Unternehmen sich am Markt mit seinen Produkten etabliert hat, Lieferanten-Beziehungen aufgebaut sind,  Mitarbeiter und alle Prozesse so eingespielt sind, dass ein effizienter und reibungsloser Tagesablauf gewährleistet ist. Bei einer Übernahme fällt diese kostspielige und langwierige Aufbauphase weg. Beim Kauf eines bestehenden Unternehmens entsteht eher eine Einarbeitungsphase, die in der Regel deutlich kürzer ist.
Marktposition
Bestehende Unternehmen haben fest etablierte Vertriebswege und Beziehungen zu Ihren Kunden, die im Idealfall übernommen werden. Dieser Punkt ist eine kleine Unwägbarkeit, ob Kunden bereit sind das zu akzeptieren und dem neuen Firmeninhaber erhalten bleiben. Ein guter Weg wäre die Vorstellung des Nachfolgers durch den Seniorunternehmer bei den Kunden / Lieferanten.

Beratung durch den Senior-Unternehmer
Die Begleitung und Beratung durch den Verkäufer kann in der Anfangsphase helfen, mögliche Stolpersteine zu vermeiden und die Akzeptanz bei Kunden und Lieferanten zu „erarbeiten“.

Planungsbasis
Für die Planung und Prognosen innerhalb des Businessplans für die Finanzierung kann auf die Zahlen der Vergangenheit zurückgegriffen werden, welches bei einer Neugründung nur anhand von Schätzungen möglich ist. Spätestens an dieser Stelle sollten Fachleute zu Rate gezogen werden, die auch die Zeilen zwischen den Zahlen lesen können.

Finanzierungskomponente
Ein Unternehmenskauf muss nicht unbedingt vollständig durch eine Finanzierung oder Eigenmittel bestritten werden. Es kommt vor, dass ein Teil des Kaufpreises aus zukünftigen Gewinnen im Laufe der Jahre beglichen wird und so ein Vorteil für den Verkäufer darstellen kann (Liquidität und Steuerlast).
Dies kann ein wichtiger Baustein zur Finanzierung der Unternehmensnachfolge darstellen, denn nicht immer kann der Unternehmenskäufer den vollen Kaufpreis über Kredite und Eigenmittel aufbringen.

Die Nachteile einer Unternehmensnachfolge/eines Unternehmenskaufs

Als größter Nachteil beim Unternehmenskauf im Vergleich zu einer Neugründung ist ganz klar der höhere Kapitalbedarf, der den Marktwert widerspiegelt. Auch der Kundenstamm, der mit dem Kauf erworben wird, hat seinen Wert, der sich im  Preis wieder findet.
Der Beratungsbedarf bei einem Unternehmenskauf ist in der Regel deutlich höher als bei einer Neugründung.
Es besteht immer das Wertrisiko, dass beispielsweise  Maschinen oder Lagerbestände, die  übernommen werden (müssen), weniger wert sind als beim Kauf zugrunde gelegt wurde.
Ebenfalls muss detailliert geklärt werden, in wie weit für Risiken aus früheren Zeiten gehaftet werden soll (z.B. Gewährleistung, Schadenersatz  etc.).
Die Beziehung zu Kunden und Lieferanten kann bisher unter Umständen direkt am Unternehmensverkäufer gelegen haben.  Kunden können unter Umständen abwandern wenn ein „Neuer“ die Firma übernimmt.
Festgefahrene Strukturen lassen sich nur schwer ändern, wenn die Mentalität „das haben wir schon immer so gemacht“ die Überhand hat.

Der Businessplan für eine Unternehmensnachfolge

Wir empfehlen folgende Fragestellungen – auch aus eigenem Interesse – innerhalb des Businessplanes zu erarbeiten:
- wird das Unternehmen alleine oder gemeinsam  mit einem Partner / einer Partnerin übernommen?
- wie und wie lange wird es eine Phase geben, in der der Alt-Inhaber begleitend und beratend tätig ist?
- soll das Unternehmen im Wesentlichen wie in der Vergangenheit weitergeführt werden?
- welche Bereiche sollen verändert oder ausbaut werden?
- sollen Bereiche vollkommen neu strukturiert werden?
- soll das Erscheinungsbild erhalten bleiben oder gibt es einen Relaunch?
- wird es im „Auftritt“ eine Modernisierung geben? Wenn ja wie sind die Meilensteine?
Ein Unternehmen muss nach einer Übernahme nicht unbedingt genauso weiterlaufen wie bisher, das Unternehmen muss so ausgerichtet werden, dass es auch weiterhin am Markt bestehen kann. Das Ziel, welches erreicht werden soll, sollte hierbei im Fokus stehen.

Wir empfehlen von Anfang an Steuer-, Rechts-, Wirtschafts- und Unternehmensberater in die Planung und Kalkulation einzubinden, um Fehleinschätzungen, zum Beispiel zum Kapitalbedarf, von vornherein zu vermeiden. Es ist verständlich, dass der Übergeber sein Lebenswerk sehr positiv darstellt, was nicht unbedingt dem realen Zustand entsprechen muss.
Ein Businessplan dient an dieser Stelle auch als Grundlage für die Ermittlung des Unternehmenswertes und damit auch der  Ermittlung des Kaufpreises. Für die Übernahme innerhalb einer Familiennachfolge kann der Unternehmenswert die Basis für die Berechnung von Abfindungen für eventuelle Mit-Erben darstellen.

Pachten als Alternative zur Übernahme?

Ein Unternehmen kann auch verpachtet statt veräußert werden.
Nicht selten wird für eine Übergangszeit zunächst nur verpachtet, zum Beispiel um den Generationswechsel vorzubereiten. Im Unterschied zum Kaufvertrag erfolgt hier keine Übereignung des Unternehmens. Das Anlagevermögen bleibt dadurch im bisherigen Besitz, allenfalls der Warenbestand wird übernommen. Der Pächter erhält nur ein Nutzungsrecht. Typisch ist dies im Gaststättengewerbe.

Tipp:
Am 26. Juni ist der Aktionstag „Nachfolge ich weiblich“ von der Bundesgründerinnenagentur mit zahlreichen Veranstaltungen bundesweit.

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